Ergonomischer Arbeitsplatz und Schreibtisch – Assistenz-Wissen.de

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Büromanagement im Griff



Ergonomischer Arbeitsplatz und Schreibtisch



Büroarbeit kann durchaus, vor allem unter unergonomischen Bedingungen, eine hohe gesundheitliche Belastung für den Körper darstellen – viele Untersuchungen über die letzten 20 Jahre und die vielen gesundheitlichen Beeinträchtigungen von Menschen „sitzender“ Berufe zeigen das mehr als deutlich. Sitzen auf Stühlen ist grundsätzlich eine für den Menschen, seinem Bauplan nach unnatürliche Körperhaltung. Die Evolution hat uns dafür disponiert, zu gehen, ein bisschen zu laufen, zu liegen, und zu kauern. Stühle und stundenlanges unbewegliches Ausharren in einer Haltung waren in unserem genetischen Erbe nicht vorgesehen.

Aus diesem Grund müssen wir unserem Körper so viel wie möglich entgegenkommen, was unsere Büromöblierung betrifft, um längerfristig sehr schmerzhafte Schäden und Bewegungseinschränkungen zu vermeiden.
Den größten Anspruch an eine ergonomisch gesunde Körperhaltung stellt dabei unser Rücken: Unser Kopf ist dafür gemacht, auf einer ganz dünnen Spitze perfekt aufrecht im Gleichgewicht gehalten zu werden – nur so belastet sein relativ hohes Gewicht (gut 5 kg) nicht ständig den Rücken. Dazu braucht es aber eine gerade Kopfhaltung und einen geraden Rücken, aus diesem Grund sollte die Oberkante des Bildschirms immer in Augenhöhe sein, und die Stuhlhöhe so eingestellt werden, dass zwischen Füßen und Schienbeinen, in den Knien und in den Hüften jeweils ein rechter Winkel besteht. Auf diese Weise wird der Rücken so aufrecht wie möglich gehalten, und der Rest des Körpers stützend entlastet, ohne irgendwo die Durchblutung zu behindern. Der Tisch sollte genau so hoch sein, dass, wenn man gerade vor dem Tisch sitzt, die Unterarme bequem und ebenfalls im rechten Winkel auf dem Tisch aufliegen können.
Das sind zumindest die Grundregeln, auf einige der Details dabei werden wir in späteren Bereichen noch detaillierter eingehen. Allein wenn man sich allerdings ansieht, wie weit man im Normalfall schon von diesen sehr simplen Grundregeln entfernt ist, kann man ermessen, was man seinem Körper dabei antut.

Nehmen Sie einmal bei Gelegenheit einen 5-kg-Sack Gips zur Hand, und versuchen Sie, ihn eine Viertelstunde lang mit sich herumzutragen. Wenn Sie dann das Gefühl haben, dass Ihnen gleich die Arme abfallen, können Sie vielleicht abschätzen, was Ihr Rücken allein an Ihrem Kopf zu schleppen hat, wenn Sie nicht gerade sitzen. Und zwar nicht eine Viertelstunde lang, sondern 8 Stunden am Tag oder sogar länger!

So genannte Sitzbälle waren einmal eine Zeitlang in Mode, um die relativ starre Haltung vor dem PC in Bewegung zu halten, und so die Rückenmuskulatur von dieser Zwangshaltung zu befreien. Diese Bälle sind durchaus besser als ihr Ruf, aber tatsächlich ist diese Art zu sitzen auch sehr anstrengend, gerade für den schon geschädigten, untrainierten Rücken – die Gefahr ist groß, dass man, weil die Rückenmuskeln ermüden, erst recht in eine schlampige, lümmelnde Haltung verfällt, die dem Rücken enorm schadet. Nichts gewonnen also, eher dann im Gegentum. Ein weiterer nicht zu unterschätzender Nachteil ist, dass meistens die Tischhöhe nicht zum Durchmesser der Sitzbälle paßt, und die meisten Sitzbälle zu niedrig sind. Dieser Nachteil führt dann zu noch viel übleren Fehlhaltungen, um die Tastatur auf dem Tisch gerade noch so zu erreichen. Sitzbälle also ja, aber nur, wenn der eigene Rücken die Belastung auch tragen kann, und man aufrecht bleiben kann, und nur dann, wenn der Tisch in der Höhe passt. Als Regelmaß gelten auch hier die im rechten Winkel aufliegenden Unterarme.

Über die Einflüße von Licht, Luft, Wärme, Bildschirmbeleuchtung auf die Ergonomie und über die optimale Einrichtung Ihres Schreibtisches werden wir uns in späteren Kapiteln noch einige Gedanken machen – zuvieles gibt es da, was man noch beachten sollte. In den meisten Fällen genügt es aber, sich auf Ihr Gespür zu verlassen – wenn Sie sich nicht absolut gelöst und entspannt fühlen können, ist irgendetwas noch immer nicht ganz optimal bis ganz verkehrt.
Ergonomie hat auch viel mit dem eigenen Körpergefühl zu tun, das sehr gut helfen kann, seinen Körper vor Schäden zu bewahren, und mit absolutem Wohlbefinden und geringer Anstrengung zu arbeiten. Alexander-Technik und die Feldenkrais-Methode sind – gerade für Menschen die im Büro arbeiten – hervorragende Möglichkeiten, das eigene Körpergefühl zu entwickeln und zu schulen. Der richtige und bewußte Umgang mit seinem Körper kann einem dabei sehr helfen, Schäden und schädlichen Gewohnheiten vorzubeugen.